"Wir müssen was tun" - Birgit Glorius spricht über Bildung im Leipziger Westen
15.10.2012

- Dr.Birgit Glorius klärt über Bildung auf / Foto: Christina Weiß
Leutzsch/Lindenau. Wie lassen sich Bildungsangebote erhöhen? Was ist zu tun, damit unser Schulsystem durchlässiger wird? Wirkt sich der demografische Wandel im Quartier aus? Wann sollten Schulbezirksgrenzen verändern werden? Und: Was ist noch teurer als Bildung? Rund um Bildung drehte sich der fünfte Themenabend des Magistralenmanagements Georg-Schwarz-Straße (GSS). Gastgeber des Abends war der Verein Tüpfelhausen, der in sein neues Familienbegegnungszentrum in die GSS 116 geladen hatte.
Als Gast erläuterte Birgit Glorius von der Stabsstelle "Lernen vor Ort" des Kommunalen Bildungsmonitorings die Ergebnisse ihres Forschungsprogramms. Beantwortet wurden auch Fragen zu den künftigen Schulstandorten in Lindenau, Leutzsch und Plagwitz. Was unter der etwas sperrigen Bezeichnung Monitoring zu verstehen ist, war schnell geklärt: "Wir schauen Daten durch und analysieren sie, um so Stärken, Schwächen wie auch Chancen und Risiken zu erkennen und Ziele für künftiges Handeln zu empfehlen", erklärte die promovierte Geografin. Dabei spiele der demografische Wandel natürlich eine entscheidende Rolle: "Für den Zeitraum bis 2025 wird für Leipzig ein weiterer Anstieg bis auf 540000 Einwohner prognostiziert." Darauf müsse die Stadt reagieren. "Auch im Leipziger Westen wird von wachsenden Bevölkerungszahlen ausgegangen." So werde der Bedarf an Grundschulplätzen ab 2013/14 weiter deutlich ansteigen: "Die Erich-Zeigner-Grundschule in Plagwitz ist bereits jetzt voll, dagegen hat die 172. Grundschule in der Leutzscher Prießnitzstraße noch Kapazitäten. Wir müssen also was tun.Schulbezirke verändern sich, wenn der eine überläuft." Vorgesehen sei daher eine Änderung der Schulbezirksgrenzen.
Vor dem Hintergrund wachsender Schülerzahlen soll auch die 57. Mittelschule am Leutzscher Rathaus reaktiviert werden. Welche Schulart es am "Jahrtausendfeld" geben wird, stehe dagegen noch nicht fest. Klar sei nur: Für einen großen Bildungscampus, wie ursprünglich vorgesehen, werde die Fläche nicht reichen. Mehr über jetzige und künftige Standorte ist im Schulentwicklungsplan zu erfahren, der in den nächsten Tagen ins Netz gestellt wird, so Glorius.
Weitere Meilensteine im Projekt "Lernen vor Ort" sollen auch drei neue Stellen sein, die im Leipziger Osten, Westen und in Grünau geschaffen werden. Deren Ziele lassen sich mit "begleiten, fördern, stärken - ein Leben lang" umschreiben. Dabei sollen sich Beraterinnen um Bildungsarbeit im Stadtteil kümmern. Auch eine zentrale Stelle wird es geben, die schon Ende Oktober - mit der Wiedereröffnung der Stadtbibliothek am Leuschnerplatz - ihre Arbeit aufnimmt. "Alle Anlaufstellen sind anbieterneutral und kostenfrei."
Besucher des Themenabends beschäftigte auch die hohe Abbrecherquote an Schulen und die schnelle Einweisung lernschwacher Schüler in Förderschulen: "Die Statistik zeigt: Es gibt kaum einen Weg zurück. Das System muss durchlässiger werden." Auch da stehe man in sozialer Verantwortung. "Denn was ist noch teurer als Bildung? Keine Bildung!", unterstrich Glorius.
Text von Ingrid Hildebrandt
Leipziger Volkszeitung, vom 12.10.2012




