Frisch verkuppelt: LVB testen neue Straßenbahnkombination auf der Linie 7

02.08.2011

Bildinhalt: Frisch verkuppelt:   LVB testen neue Straßenbahnkombination auf der Linie 7 | Foto: André Kempner
Foto: André Kempner
 

Frisch verkuppelt:
LVB testen neue Straßenbahnkombination auf der Linie 7

Die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) testen eine neue Straßenbahnkombination. Um den Kauf von neuen XXL-Linern hinauszuzögern, könnten in Zukunft die Niederflurbeiwagen der ausrangierten Tatrabahnen an Triebwagen vom Typ NGT8 angehängt werden. Die LVB wollen so Investitionen von bis zu 30 Millionen Euro aufschieben.
Für den Laien ist die Besonderheit kaum zu erkennen: Die Straßenbahn vom Typ NGT8 mit dem Namen Johann Sebastian Bach fährt seit gestern auf der Linie 7 von Sommerfeld bis Bölitz-Ehrenberg. Und wieder zurück. Normalerweise wäre der 30 Meter lange Triebwagen zu klein für die stark ausgelastete Strecke. Doch mit dem angehängten Niederflurbeiwagen NB4 einer ausrangierten Tatrabahn kann die Straßenbahn bei einer Gesamtlänge von 45 Metern über 200 Fahrgäste befördern.
"Wir wollen in den nächsten sechs Monaten testen, wie sich der erste Prototyp der neue Wagenkombination auf der Linie 7 bewährt", sagt Geschäftsführer Ronald Juhrs. Grund: Bis zum Ende des Jahrzehnts sollen die letzten 120 alten Tatras, die unter anderem auch auf der Linie 7 verkehren, abgelöst werden. Ersetzt werden müssten sie durch neue XXL-Liner, die jedoch 800000 Euro das Stück kosten. Diese Anschaffung könnte durch die neue Kombination zum Teil aufgeschoben werden. Ziel ist es, nach erfolgreichen Tests 38 Bahnen in der neuen Zusammenstellung auf die Gleise zu bringen, fährt Juhrs fort. Damit könnten die LVB vorerst auf Investitionen von bis zu 30 Millionen Euro verzichten. Zudem würden die erst zehn Jahren alten Niederflurbeiwagen eine weitere Verwendung finden, was auch die Umwelt schone.
Die größte Herausforderung beim Verkuppeln der beiden Bahnen lag nach Angaben von LVB-Elektroniker Roland Zellin in den verschiedenen Bremssystemen: "Beide Fahrzeuge verfügen über eine unterschiedliche Anzahl von Bremsstufen, die wir miteinander in Einklang bringen mussten." Auch Beleuchtungsanlagen, Heizung und Türöffnung wurden aufeinander abgestimmt. Da die 16 Jahre alten NGT8 unter ihrer Verkleidung zudem nur mit einer einfachen Anhängerkupplung ausgestattet sind, mit der sie im Notfall abgeschleppt werden können, musste der Hersteller Bombardier eine völlig neue Aufhängung konzipieren.

Nachdem alle internen Tests der LVB positiv verlaufen sind, wird der verlängerte Prototyp nun in den kommenden Monaten im normalen Linienverkehr auf Herz und Nieren geprüft. "Wir wollen dabei auch herausfinden, ob die Fahrgäste die neue Zusammenstellung der Wagen akzeptieren", erläutert Technikchef Juhrs. Sollte der Versuch erfolgreich sein, könnten rasch 37 weitere NGT 8 mit den Niederflurbeiwagen der alten Tatrabahnen ausgerüstet werden.
Jan Iven

Leipziger Volkszeitung vom 2. August 2011


Nachricht vom 02.08.2011
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