Über 250 Besucher beim Buchmessetag in der Georg-Schwarz-Straße
18.03.2013
- "Und Sirius hat es gesehen" - Lesung im kunZ von kaufungen / Foto: Enrico Engelhardt
Die Buchmesse war in der Georg-Schwarz-Straße zu Gast. Bereits zum zweiten Mal fand ein Teil des Lesefestivals „westwärts.leipzig-liest.im.leipziger.westen“ in der Magistrale statt. Zwischen 15:00 und 21:00 Uhr luden am 16.03.2013 fast ein Dutzend Leseorte entlang der Georg-Schwarz-Straße interessierte Besucherinnen und Besucher ein. Zwischen Leutzsch und Lindenau wurden die unterschiedlichsten Genres präsentiert.
Während im Stadtteilladen Leutzsch Manfred Steinert mit seinem Buch „Zwischen Mahlsteinen“ die DDR-Vergangenheit und den Übergang in die BRD aufarbeitete, drängten sich in der Anwaltskanzlei Plaschil viele Menschen, um den neuen Abenteuern von Sherlock Holmes zu lauschen. Wolfgang Schüler las aus „Sherlock Holmes in Dresden“. Klassisch gekleidet, in englischer Schutzmann-Uniform, präsentierte der Autor den Beginn des Kriminalromans, der nicht in Dresden, sondern auf dem Leipziger Hauptbahnhof spielte. Der war 1913 noch im Bau und so müssen Sherlock Holmes und Dr. Watson einen Attentäter durch unterirdische Gänge und die riesige Baustelle der Osthalle verfolgen. Gebannt lauschte das Publikum, darunter auch einige Kinder, der spannenden Geschichte. Andrang herrschte auch im Andachtsraum des Diakonissenkrankenhauses. Dort las und erzählte Burkhard Wittek über seine Pilgerwanderung zum Grab des heiligen Jakobus nach Santiago de Compostela. Dass er schon zu Beginn der Reise seinen „Engel“ Gabriel traf , war nur eines der wundersamen Ereignisse, die ihm bei seiner langen Reise widerfahren sind. Das Publikum fühlte sich in den zwei Stunden jedenfalls bestens unterhalten.
Weniger unterhaltsam, dafür berührend und sehr ehrlich war die Lesung von Daniel Hopkins und Norbert Henze im kunZ von kaufungen. In schonungsloser Offenheit wurde über das Leben, die Misshandlungen und den seelischen wie sexuellen Missbrauch berichtet, welchem der Künstler Norbert Henze seit seiner frühesten Kindheit ausgesetzt war. Exemplare von „Und Sirius hat es gesehen“ wurden dann auch vom Publikum gleich nach der Lesung erworben. Künstler und Autor signierten die Bücher und waren stolz, ihre erste Lesung so gut über die Bühne gebracht zu haben. In die Georg-Schwarz-Straße hat sich Norbert Henze bei diesem Anlass auch gleich verliebt: „Ich würde hier gerne wohnen bei diesen tollen Häusern. Das wäre der absolute Hammer! Die Kunst ist ja hier wirklich am Kommen. Das ist ja cool!“
Gefallen hat es auch den beiden Österreichern Carlos Anglberger und Thomas Duschlbauer hier. In der Hausmark Schänke schlüpften sie in die Rollen, welche den Titel ihres Briefromans ausmachen und ließen als „Der Matrose und der Legionär“ herrliche Schimpftiraden vom Stapel. Besucher der Lesung wissen nun, dass Österreich das beste Land für Selbstmörder ist und dass Sozialarbeiterinnen sogar schlimmer sind als Sex, vom Musical gar nicht zu reden. Als es dann darum ging, dass man anderen Leuten nicht in die Suppe spucken soll, erklang auch aus der Küche herzliches Gelächter.
Den Höhepunkt, was den Besucheransturm anging, bildete die Lesung von Angelika Wilke im rad3-Laden. Ihre Norwegen-Erkundung per Fahrrad zog 65 Menschen in den Laden in der Erich-Köhn-Straße 63b. Wie der Jakobsweg-Pilger am Nachmittag zeigte auch hier die Autorin eindrucksvolle Bilder ihrer Reise und holte die norwegische Fjordlandschaft damit in den Leipziger Westen. Auch im Kaffee Schwarz, im Fundbuero, in der Galerie artescena sowie im hinZ und kunZ und beim Lichtkünstler Jason Michael Thomas fanden an diesem Tag noch Lesungen statt. Wer Zeit und Muße hatte konnte die Georg-Schwarz-Straße also in all ihrer Vielfalt erleben und es sich dabei literarisch schmecken lassen. Über 250 Menschen fanden denn auch den Weg in die Magistrale und erlebten einen abwechslungsreichen und interessanten Tag voller Literatur.




