Mitgestalter unterwegs. Seniorenprojekt: Rundgang durch den Stadtteil findet großen Zuspruch
30.07.2012

- Vom Stadteilladen Leutzsch aus beginnen die MitgestALTER ihre Rundgänge / Foto: Susan Herling
„Zuerst sollte ich nur alles notieren, dann bekam ich ‘nen Fotoapparat in die Hand gedrückt und jetzt muss ich auch noch filmen“, lacht Steffi Jähnert. Die jung gebliebene Leutzscherin ist Mitgestalterin und gehört damit zu jenen Bürgern, welche die Seniorenfreundlichkeit ihres Stadtteils direkt vor Ort erkunden. „Erfahren habe ich davon im Seniorenkolleg. Später sind mir auch die Aushänge in unserem Stadtteilladen aufgefallen.“ Dort wurde das Projekt „Mitgestalter – Engagement von und für Senioren rund um die Georg- Schwarz-Straße“ ausführlich vorgestellt. „Ja, und nun mache ich schon beim zweiten Rundgang durch den Stadtteil mit.“ Der steht wieder unter dem Motto „Lebensqualität im Alter“. Dazu gehöre auch, dass man gefahrlos über die Straße kommt. Besonders an den „Leutzsch-Arkaden“ sei das nicht der Fall: „Man ist gerade mal in der Mitte der Straße angekommen und schon zeigt die Ampel Rot, für noch ältere Leute kann das dramatisch werden.“ Die mangelhafte Ampel – ein klarer Fall für die Dokumentation. Auch Wünsche und Bedürfnisse sollen notiert werden. „Ein Café, wo man schnattern kann, wäre nicht schlecht“, findet Steffi Jähnert. „Und zwar eins, wo Ältere nicht 15 Stufen brauchen, um rein zu kommen“, ergänzt Eva Brackelmann. „Deshalb unterstütze ich auch das Anliegen“, so die Stadtbezirksbeirätin (SPD). Überhaupt findet die Lindenauerin das gesamte Projekt genial: „Der Stadtteil aus Sicht älterer Menschen erkunden: Richtig klasse.“ Klasse ist auch der Zuspruch den die Mitgestalter erfahren. So sind 20 Leutzscher und Altlindenauer zum zweiten Rundgang gekommen. Bernhard Wagner ist die Freude anzusehen. Der Soziologe von der Evangelischen Hochschule für Soziale Arbeit Dresden ist zuständig für das Projekt: „Die Kommunen wollen wissen, welche Bedürfnisse die älteren Menschen haben und wie sie wirklich leben, daher wird unser Vorhaben auch von der Stadt Leipzig unterstützt.“ Und welche Erkenntnisse brachte die erste Tour? Die Teilnehmer stellten fest, dass es an den Leutzsch-Arkaden Läden für alles Mögliche gebe, aber kein Café, so Wagner. Was fehlt seien auch Toiletten. „Ebenfalls kritisiert wurde, dass es einen Parkplatz gibt – aber keine grünen Ruhezonen. Aufgefallen sind den Rundgängern auch die vielen kleinen Brachen entlang der Georg-Schwarz-Straße (GSS): Da könnte man doch Ruhebänke setzen“, sagt Wagner. Beim jüngsten Rundgang wurde der südliche Teil der GSS von der Merseburger Straße bis zum Diakonissenkrankenhaus unter die Lupe genommen. Zwar wurden auch hier Gefahrenstellen, die von unsanierten Häusern, kaputtem Pflaster oder Fassadenteilen ausgehen, dokumentiert. Doch es gab auch viele positive Überraschungen: gestaunt wurde
über „Hinz und Kunz“ ebenso wie über die „Kunterbunte 19“, wo Regina Möller im Erdgeschoss einen kreativen Raum schaffen will. Seit sechs Jahren wohnt Christa Rüdiger im Umfeld der alten Magistrale: „In den letzten Jahren hat sich viel getan. Ich bin optimistisch, was die Straße betrifft.“ „Die Künstler sind eine Bereicherung“, findet auch Rudolf Rausch. Das nächste Mal treffen sich die Mitgestalter am 13. August um 15 Uhr im Stadtteilladen Leutzsch (GSS 122), dann berichten sie über ihre bisherigen Erfahrungen. Geplant ist auch die Teilnahme an einem Bürgerwettbewerb. Sowohl am Stadtteilrundgang als auch an den weiteren Aktionen können alle interessierten Leutzscher und Altlindenauer teilnehmen.
Text von Ingrid Hildebrandt
Leipziger Volkszeitung, vom 27.07.2012




