LVZ-Artikel - Leutzscher Diska macht dicht

19.04.2012

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Der folgende Artikel aus der Leipziger Volkszeitung ist am Donnerstag, den 19.04.2012, auf Seite 18 im Ressort "Lokales" unter "Leipzig" erschienen.


Leutzscher Diska macht dicht


Gewerkschafter sieht benachbarten Netto-Markt bedroht und wirft Edeka-Gruppe zu niedrige Entlohnung vor

"Wir schließen zum 21. 4. 2012 (letzter Verkaufstag)". Das ist auf Plakaten auf den Türen zum Diska-Markt in der Philipp-Reis-Straße zu lesen. Drin ist das Warenangebot deutlich gelichtet. Was aus dem Markt wird? Keine Antworten: Die Mitarbeiterinnen verweisen auf die Pressestelle, sie selbst dürften keine Auskunft geben.
Die für die Region zuständige Pressestelle von Edeka Nordbayern-Sachsen-Thüringen (dazu gehört Diska) antwortet: "Zu laufenden Verhandlungen können wir leider keine Auskünfte geben." Selbst die LVZ-Frage nach der Zahl der Beschäftigten im Leutzscher Diska und ob die ordnungsgemäß nach Tarif bezahlt werden, wird mit eben diesem Hinweis abgeschmettert.
An Backshop und Fleischtheke sind die Verkäuferinnen zumindest sicher, dass es "nach Umbau" weitergeht für sie. Ihre Chefs von der Erntebrot-GmbH, Döbeln, und der Fleischerei Karl-Heinz-Post, Merseburg, verweisen aber ebenfalls auf ihren Vermieter Edeka und hüllen sich ansonsten in Schweigen.
Für Thomas Schneider ist diese Art der internen und externen Kommunikation nichts Neues. Mit Diska und Edeka gebe es immer wieder Probleme, sagt der Verdi-Gewerkschaftssekretär. Und vielleicht habe gerade die Tariffrage "verschreckt". Diska, Netto und etliche andere Supermärkte behaupteten zwar, die Tarife einzuhalten. "Wir mussten jedoch feststellen, dass viele Beschäftigte bewusst falsch, nämlich niedriger, eingruppiert sind", so Schneider. Für eine 20-Wochenstunden-Kraft, die nicht ordnungsgemäß als Kassiererin/Verkäuferin eingruppiert sei, sondern als Hilfskraft bedeute das statt 1140 Euro im Monat 910 Euro. "Also 230 Euro weniger allmonatlich", sagt der Gewerkschafter.
Nach seinen Informationen wird der Leutzscher Diska zum roten Netto - der rote Netto gehört übrigens zu 100 Prozent Edeka, der mit dem schwarzen Hund zu 25 Prozent. Die Diska-Mitarbeiterinnen würden per Betriebsübergang übernommen. "Ich habe keinen Grund, an diesen Informationen zu zweifeln", sagt Schneider ohne seine Quelle zu nennen. "Diska zu Netto" das sei schon lange ein Thema in der Region. Es gebe ja kaum noch Diska-Märkte.
Bedenklich allerdings: "Schräg gegenüber ist in der Franz-Flemming-Straße bereits ein roter Netto. Was wird aus dem?" Die Mitarbeiterinnen sagen nichts. Aber es gibt ja den "fremden" Fleischer und Bäcker: Die Verkäuferinnen berichten, dass sie rausgehen. "Die machen hier dicht." Nachfragen bei Edeka hält Schneider für zwecklos. "Wahrscheinlich haben die Frauen Recht."

Text: Helga Röstel


Nachricht vom 19.04.2012
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