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Straßenbahnlinie 7 immer wieder durch Falschparker behindert

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Straßenbahnlinie 7 immer wieder durch Falschparker behindert
 

So etwas hat es seit 1988 nicht mehr gegeben: Gestern ab 17 Uhr stellten die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) den kompletten Straßenbahnverkehr im gesamten Stadtgebiet ein. Dauerhafter Eisregen und niedrige Temperaturen sorgten am frühen Abend für tückisches Blitzeis. Die Fahrleitungen der Trams waren schockgefrostet, rissen und Bahnen blieben stehen.
"Wir können die Sicherheit für Fahrgäste und Fahrzeuge nicht mehr gewährleisten", begründete Ronald Juhrs, Technischer Geschäftsführer der LVB, die drastische Aktion. "Wir haben erhebliche Fahrleitungsschäden im gesamten Stadtgebiet." Immer mehr Oberleitungen drohten zu reißen, so LVB-Sprecher Reinhard Bohse, an den Strombügeln der Trams sprühten Funken. Hinzu kam, dass es an den Haltestellen extrem glatt wurde und selbst Straßengeländer von einem Eispanzer überzogen waren.
150 Wagenzüge wurden in die Depots gebracht, wenn dies möglich war, oder blieben auf freier Strecke stehen. Größere Staus gab es unter anderem am Straßenbahnhof Angerbrücke. Schienenersatzverkehr konnten die Verkehrsbetriebe zunächst nicht bereitstellen. Es wurde aber versucht, Busse aus dem Linienverkehr abzuziehen und einen Bus-Notverkehr zu organisieren, der um 19 Uhr in Kraft trat.
100000 Leipziger blieben nach Angaben der LVB im abendlichen Berufsverkehr stecken. Taxis waren bald nicht mehr zu bekommen. Nicht nur am Taxistand vor dem Hauptbahnhof bildeten sich lange Schlangen. Doch auch innerhalb der Taxi-Flotte gab es witterungsbedingte Ausfälle. Viele Leipziger mussten sich zu Fuß durchschlagen, was angesichts tückisch glatter Gehwege ein kreuzgefährliches Unterfangen war. Etliche Passanten landeten mit Knochenbrüchen in der Notaufnahme. In der Universitätsklinik Liebigstrasse werden bis in die Nacht hinein fünf Mal mehr Brüche behandelt als an normalen Tagen. Immerhin rollten die Busse trotz des Glatteises noch vergleichsweise zuverlässig, zumal der Winterdienst zumindest auf den Hauptstraßen schnell mit Streugut zur Stelle war. "Im Busverkehr werden wir uns bemühen, so lange zu fahren, wie die Verkehrsverhältnisse es zulassen", versicherte Juhrs.
Dabei hatte sich der öffentliche Personennahverkehr nach dem Chaos infolge des massiven Wintereinbruchs gestern früh weitgehend stabilisiert. "Wir sind am Morgen fast ohne Probleme gestartet und im Wesentlichen pünktlich gefahren", so Bohse. In der Vorwoche war der Fahrplan bei Bussen und Straßenbahnen witterungsbedingt völlig aus dem Takt geraten. Gestern früh behinderten allenfalls Falschparker, die zu nahe an den Gleisen standen, den Bahnverkehr auf den Linien 7 und 9. Zudem sorgte die Nässe für technische Störungen, setzte den Dreh- und Antriebsgestellen der betagten Tatras zu. Auf einigen Linien mussten reparaturbedingt ganze Züge ausgetauscht werden, etwa auf der Linie 15. Luxusprobleme - verglichen mit dem, was am Abend über die Stadt hereinbrach.
Mit dem gestrigen Eisregen sind die LVB unversehens in den nächsten Ausnahmezustand geschlittert. Zwar ging der Regen am Abend in Schneefall über. Doch die Verantwortlichen sahen darin keinen Grund zur Entwarnung. "Wir müssen abwarten, wie sich die Wetterlage nun weiter entwickelt", sagte Bohse. "Es kann aber durchaus passieren, dass wir am Donnerstagmorgen überhaupt nicht ausrücken können." Dann würden Busse im Straßenbahnnetz eingesetzt.
Frank Döring/Andreas Tappert

Leipziger Volkszeitung vom 9. Dezember 2010


Nachrichtenübersicht Nachricht vom 08.12.2010
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