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Straße der Möglichkeiten: Die Georg-Schwarz-Straße verändert sich.

Bildinhalt: Straße der Möglichkeiten: Die Georg-Schwarz-Straße verändert sich. | Foto: Volkmar Heinz
Foto: Volkmar Heinz
 

Die Georg-Schwarz-Straße verbindet Lindenau und Leutzsch. An der Magistrale entstehen immer mehr neue Läden und Kulturräume.






Schäbig ist sie, leer und verdreckt. Die Georg-Schwarz-Straße hat keinen guten Ruf.
Das könnte schon allein daran liegen, dass man von der Innenstadt kommend gen Leutzsch tatsächlich an leerstehenden Läden, herunter gekommen Häusern und dunklen Kneipen vorbeifährt. Dies zu ändern ist das Ziel verschiedener Akteure.

Da ist einmal die Stadt. "Wir hoffen, dass trotz angespannter Haushaltslage hier noch einiges gefördert werden kann", sagt Baubürgermeister Martin zur Nedden. Der Leiter des Amtes für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung kann dem nur zustimmen. "Aber mir wäre es lieber, wenn wir mittelfristig wissen, wie viel Geld uns zur Verfügung steht", erklärt Karsten Gerkens. "Die wirtschaftlichen Akteure sind da."

Zum Beispiel Patrik Fahrenkamp, Geschäftsführer von Leipziger Stadtbau. Das Unternehmen hat vier Karrees gekauft, größtenteils leerstehende Gründerzeithäuser gegenüber dem Diakonissenkrankenhaus. Brunnenviertel nennt sich die Gegend ab jetzt. "Wegen dem Leben, was hier sprudelt", erklärt Fahrenkamp.

Leben soll auch im Diakonissenkrankenhaus sprudeln. Rektor Hans Christoph Runne freut es, wenn sich in der Nachbarschaft etwas ändert. "Wir sind bereit, unser privates Grundstück für eine behindertengerechte Straßenbahnhaltestelle zur Verfügung zu stellen."

Neben dem neuen Brunnenviertel, in dem die Sanierungen nächstes Jahr beginnen und in drei oder vier Jahren abgeschlossen sein sollen, verändert sich auch das weitere Gesicht der Georg-Schwarz-Straße. Cafés eröffnen, Galerien, Bürgerläden.

Roman Grabolle vom KunZstoff-Verein ist begeistert. "Hier können Künstler durch sehr günstige Mieten Ideen ausprobieren, Kunst schaffen und handwerklich tätig werden." Der Verein betreibt seit 2009 bereits in einem ehemaligen Uhrengeschäft das "HinZundkunZ", einen Kultur und Begegnungsraum. Mit ihm kooperiert auch der Haushalten-Verein, der sich "Hauserhalt durch Nutzung" auf seine Fahne geschrieben hat und Wächterhäuser vermittelt.

In der Georg-Schwarz-Straße haben sich unter anderem das "Fundbuero", ein Projekt über DDR-Geschichte, oder das "atelier f", Wohnraumberatung und Galerie, niedergelassen.

Die ecuadorianische Künstlerin Helena García-Moreno wird im Dezember eine Bildhauerei in der Nummer 70 eröffnen. "Leipzig ist sehr attraktiv für Künstler", erklärt sie. Dass ihre Räume nicht saniert sind, stört sie nicht. "In meiner Heimat mussten wir auch immer die Häuser reparieren. Dann kann man sie mit neuem Leben füllen."

Roman Raschke vom Bürgerverein Leutzsch hat sich im Stadtteilladen mit den Bürgern über die Neuerungen unterhalten. "Die meisten haben eine sehr abwartende Haltung", erklärt er besorgt. "Wir müssen die Leute abholen und mitnehmen." Der aktuelle Zustand der Gegend sei kein Problem, sondern böte vielmehr "eine Straße der Möglichkeiten."
Juliane Streich



Standpunkt
Gentrifizierung mal andersrum
Von Juliane Streich

Sie ist der vielbeschworene Feind des kulturellen und künstlerischen Großstädters: die Gentrifizierung, der soziale Umstrukturierungsprozess eines Stadtteils. Zu oft passiert es, dass kreative Köpfe aller Art einen Stadtteil durch sich selbst und ihre Projekte lebenswert machen, um daraufhin durch immer mehr Zugezogene und die mit ihnen kommenden höheren Mieten wieder vertrieben zu werden.
Auch in Lindenau und Leutzsch geschieht gerade ein sozialer Umstrukturierungsprozess. Nur andersrum. Künstler siedeln sich an, werden explizit durch billige Mieten und genug Platz für Entfaltungsräume hergebeten. So eine Zusammenarbeit zwischen Stadt, Immobilien-Unternehmen, Krankenhaus, Bürger- und Kunstvereinen ist selten, und mehr als begrüßenswert. Vorausgesetzt die Stadtbau AG hält ihr Versprechen, auch in den neu sanierten Häusern, preiswert Ladenflächen für Kunst und Kultur bereitzustellen. Und vorausgesetzt, der langjährige und in keinster Weise an Bildhauerei interessierte Lindenauer wird eingebunden. Nicht, dass er dann auf die Gentrifizierung schimpft.
j.streich@lvz.de

Leipziger Volkszeitung, 16.11.2010


Nachrichtenübersicht Nachricht vom 17.11.2010
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