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Zum Schluss bleibt gar das Christkind aus

- Foto: André Kempner
Mit einem Glas Sekt begingen die Hebammen die letzte "Kreißsaalschicht" und die Geburt des letzten Diakonissenkrankenhaus-Babys Jesse.
Ende der belegärztlichen Geburtshilfe im Westen der Stadt
Ein "Christkind" kam nicht mehr: Im Leipziger Diakonissenkrankenhaus endete in der Nacht vom Freitag zu Heiligabend eine Ära der dort seit Jahrzehnten angesiedelten belegärztlichen Geburtshilfe.
Die geht immerhin auf das 1934 gegründete Krankenhaus Bethanien in Connewitz zurück, aus dem Anfang der 1990er Jahre die erste Belegklinik Sachsens wurde. 2000 erfolgte die Zusammenführung mit dem Diakonissenkrankenhaus, fünf Jahre später die räumliche in Leutzsch. Gemessen an der Zahl der Entbindungen und bezogen auf die heutige Einwohnerzahl der Stadt hat dort - rein rechnerisch - etwa jeder zehnte Leipziger das Licht der Welt erblickt, so die hauseigene Statistik.
"Für einen kirchlichen Träger, für den Geburt ein so herausragend-bedeutsames Ereignis ist", sei das Aus "bitter", hatte Hans-Christoph Runne, der Geschäftsführer des Evangelischen Diakonissenkrankenhauses, im August gegenüber LVZ gemeint, als er den Beschluss der Gesellschafterversammlung verkündete, den belegärztlichen Bereich Geburtshilfe zum Jahresende zu schließen.
Für diesen Zeitpunkt bekamen unter anderem zehn dort tätige Hebammen die Kündigung beziehungsweise keine Verlängerung ihrer Arbeitsverträge. Begründet wurde die Maßnahme laut Runne damit, dass es "trotz aller Bemühungen nicht gelungen ist, langfristig einen vorgeschriebenen, neonatologisch versierten Kinderarzt zu gewinnen, der über 2011 hinaus im Notfall für Neugeborene rund um die Uhr hinzugezogen werden kann". Bislang habe man die Geburtshilfe aufrecht erhalten und alle Veränderungen der Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen gemeistert, meinte Runne und fügte mit Blick auf die allgemeine Lage im Lande hinzu: "Zwischen Geburtshaus und Hochleistungsmedizin bleibt für belegärztliche Geburtshilfe künftig bedauerlicherweise immer weniger Raum."
Die Entscheidung der Klinik im Westen der Stadt, die zumindest ihre Gynäkologie weiterbetreibt, stößt in der Bevölkerung teils auf Unverständnis: "Bei steigenden Geburtenzahlen frage ich mich, wo man ab 2012, mit einer Geburtenstation weniger, noch so eine persönliche Betreuung erwarten kann und wie man den Ansturm auf andere Geburtskliniken dann auffangen will", fragte sich etwa die Leipzigerin Lysann Seifert, die in dem Haus 2009 ihren Sohn entbunden hatte.
Zahllose Briefe und bedauernde Worte erreichten die Hebammen nun auch, als sie sich vor Heiligabend zu einer letzten "Schicht" im Kreißsaal zusammengefunden hatten. Auch Patienten wie Mitarbeiter anderer Klinikabteilungen waren teils mit Rosen für die Frauen zur Stelle. Ebenso der frühere Betriebschef Dieter Jende. "Von der aktuellen Geschäftsführung war keiner da. Auch einen Weihnachtsgruß gab es für uns nicht", bedauerte Hebamme Annett Böhme. "Die meisten von uns wissen nun nicht, wie es beruflich weiter geht. Wir werden aber einen Bethanienstammtisch gründen, uns regelmäßig treffen, um uns gegenseitig zu stützen", kündigte sie an.
Und wenn es auch kein "Christkind" mehr war: Klein Jesse, 3650 Gramm und 51 Zentimeter, geboren am 23. Dezember 2011 um 12.19 Uhr, ist nun das letzte Kind, das in Leipzigs Diakonissenkrankenhaus zur Welt kam.
Angelika Raulien
Leipziger Volkszeitung vom 27. Dezember 2011
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Nachricht vom 27.12.2011
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