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24-Stunden-Ausstellung in Lindenau
Jeder ist ein Künstler
Ein Tag in einem unsanierten Haus in Lindenau und 79 echte Kopien: die 24-Stunden-Ausstellung Nummer 15
Von der ersten Kloschüssel plätschert das Wasser in die nächste, die schräg unter ihr hängt, und von dieser in die dritte. "Ich hab mir ein Duchamp gebastelt", heißt die Installation von Christian Schmit, die an den französisch-amerikanischen Künstler Marcel Duchamp erinnert, der 1917 - genervt von der Kunst-Diskussion - einfach ein Pissoir ins Museum stellte.
So wie das Wasser von der einen Schüssel in die andere läuft, so beschäftigten sich auch die Arbeiten der 24-Stunden-Ausstellung Nummer 15 damit, wie Aspekte eines Werkes im nächsten weiterleben.
Denn das Motto der Schau in der Georg-Schwarz-Straße 10 in Lindenau hieß "Echte Kopie". 79 Künstler stellten in den Räumen des unsanierten Hauses am Samstag von 0 bis 24 Uhr ihre Bilder, Installationen und Fotos aus - solche, die wie Christian Schmit von ihren Werken leben, genauso wie Studenten der Hochschule für Grafik und Buchkunst und Hobby-Künstler.
"Virtuality" nennt Torsten Pape seine Installation. Auf dem Laptop ist ein Foto abgebildet, das Computerbildschirme in einer Pfütze zeigt, auf die Pape mit Photoshop einen Sonnenuntergang gebastelt hat. Dieses Bild wirft ein Beamer auf eine Ansammlung von Bildschirmen, die auf einem Tisch in der Ecke stehen - das Derivat vom Derivat von der Realität. Daneben ein gemaltes Bild von den Bildschirmen, Fotos an der Wand widmen sich unterschiedlichen Themen wie Hauseingängen oder Bühnentän-zern. Judith Ostermeyer malte in ihrer Performance "Landschaft meisterhaft" die gesamten 24 Stunden lang Bilder im Stile des US-Fernseh-Mallehrers Bob Ross, während dessen Instruk-tionsvideos auf dem Monitor liefen.
Das vielleicht spektakulärste Kunstwerk an diesem Tag war "Sinnen und Trachten" von Christoph Darrac und Jim Whiting, bekannt durch seine Bimbotown-Installationen: Ein kettenbehangener, erst kurz vor der Ausstellung abgetrennter Schweinskopf in Pink ist durch eine Art Bullauge vor einer altmodisch gemusterten Tapete zu sehen - gleichzeitig kann man sozusagen hinter die Kulissen gucken und den provisorisch abgeklebten Schaukasten mit dem Haupt des Tieres von der Seite betrachten. Dazu noch Maden, die in einem Gefäß um eine Zehn-Cent-Münze herumkrabbeln.
Doch man musste keine große Nummer in Leipzigs Kunstszene sein, um zu der Ausstellung beizutragen, sie war offen für jeden. So wie für die zehnjährige Lina Märtens, die an einer Pappfigur "Felis wundersame Ausrüstung" zeigte. Das Ziel der Aktion, von sechs Organisatoren um Karsten Wendt angekurbelt, war wie jedes Jahr, allen Interessierten den Raum für ihre Stücke zu geben. Also wurde nicht kuratiert, es gab keine Beschränkungen, außer dass sie einen Bezug zu Ort, Thema und/oder dem 24-Stunden-Rahmen herstellen sollten.
Jeder ist ein Künstler, hat Joseph Beuys mal gesagt - vielleicht hat er ja Recht.
Florian Bamberg @www.echte-kopie.de
Leipziger Volkszeitung vom 21. Juni 2010
Text: Florian Bamberg
Foto: Wolfgang Zeyen
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Nachricht vom 21.06.2010
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