Fahrraddiebstahl in Leipzig

18.10.2017

Bildinhalt: Fahrraddiebstahl in Leipzig |

 

Leipzig gehört deutschlandweit zu den Spitzenreitern bei Fahrraddiebstählen. Höchste Zeit sich des Themas anzunehmen.

2016 wurden in Leipzig 9.642 Fahrräder als gestohlen gemeldet, die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich weitaus höher, da durchschnittlich nur jeder zweite Diebstahl angezeigt wird. Damit nimmt Leipzig bundesweit Platz zwei in der Diebstahlstatistik, gemessen an der Einwohnerzahl, ein. Nur in der Fahrradstadt Münster werden noch mehr Räder gestohlen. In Leipzig kamen somit auf 100.000 Einwohner 1.720 gemeldete Fahrraddiebstähle. Der durchschnittliche Schaden betrug bei dabei ca. 490 €/Rad. Fahrraddiebstahl gehört in Leipzig zu den Delikten mit der niedrigsten Aufklärungsquote, lediglich jedes 45. der gestohlenen registrierten Räder und jedes 85. der nicht registrierten Räder kann dem ursprünglichen Eigentümer zurückgegeben werden.

520.000 Fahrräder gibt es in Leipzig. Einer Umfrage des kommunalen Präventionsrates zufolge fürchten 91 % der Fahrradeigentümer Opfer eines Diebstahls zu werden oder sind es in der Vergangenheit geworden. Das Thema ist also kein Nischenthema.
Schaut man sich die Täterstruktur an, speist diese sich aus drei Quellen:
1) indirekte Beschaffungskriminalität durch Drogenabhängige
2) sozial schwache Bevölkerungsschichten
3) osteuropäische Banden

Seit 1996 gibt es die Fahrradregistrierung in Leipzig, die zumindest eine Zuordnung sichergestellter Räder ermöglicht. Was viele nicht wissen: nach 10 Jahren erlischt der Eintrag in der Datenbank, die Räder müssen neu registriert werden. Dazu braucht man den Personalausweis und, wenn vorhanden, den Kaufvertrag. Ein Foto des Fahrrades wird gemacht und die Fahrgestellnummer erfasst. Diese Daten werden in eine zentrale Datenbank eingelesen. Aktuell sind 23 % der Fahrräder in Leipzig in dieser Datenbank erfasst. Der Service der Registrierung wird kostenlos vom Bürgerdienst LE angeboten, der Bürgerdienst ist oft im Stadtgebiet unterwegs und bei vielen Stadt- und Straßenfesten anzutreffen.
Wer einem Aufkleber, den man eventuell vom Rad gut ablösen kann, nicht vertraut, dem steht die Möglichkeit einer Codierung des Rades offen. Dabei wird eine Codierungsnummer in den Fahrradrahmen eingraviert. Diesen Service bietet u.a. das „Netzwerk kleiner Werkstätten“ zu einem geringen Kostenbeitrag von 3,00 € an. Die Werkstätten findet man in der Markranstädter Str. 9 in Plagwitz und in der Großen Fleischergasse in der Innenstadt.

Registrierungen sind kleine Schritte um das eigene Fahrrad vor Diebstahl sicherer zu machen. Doch am wichtigsten ist das Fahrradschloss und das Anschließen an einem fest im öffentlichen Raum installierten Gegenstand, vorzugsweise einen Fahrradbügel, wenn man denn einen freien findet.
Billigschlösser sind nutzlos, sie bieten vor einem Diebstahl keinen Schutz. Sicherer sind Stahlbügelschlösser, die aber neben einem höheren Anschaffungspreis auch gehörig Gewicht mit sich führen. Mit Tex-Lock wurde eine neue Innovation im Bereich Fahrradschloss vorgestellt. Ein flexibles, leichteres Schloss, welches aus unterschiedlichen Materialien aufgebaut ist, die verschiedensten Methoden des Schlossaufbruchs standhalten. Auch eine digitale Lösung wurde vorgestellt, die durch Verschlüsselung, Alarmanlage und Handybenachrichtungsapp auf den Zeitpunkt des Diebstahls abzielen, Aufmerksamkeit erzeugen und diesen so zu verhindern suchen. Beide Neuerungen sind noch nicht auf dem Markt. Mit einem Anschaffungspreis zwischen 110 – 150 € sind diese sicher fair bezahlt, aber bei weitem nicht für jeden erschwinglich.

Leider ist festzustellen, dass die soziale Kontrolle in Leipzig relativ niedrig ist, womit es den Dieben leichtgemacht wird, Fahrräder am hellen Tag auf belebten Plätzen zu entwenden. Vor allem der Hauptbahnhof ist ein sogenannter HotSpot, hier verschwinden die meisten Räder.

Der Einzelne ist also aufgefordert, mehr für die Sicherheit seines und fremder Fahrräder zu tun.
Auch die Stadtverwaltung, die bereits auf einem guten Weg ist, muss weiter in Richtung Fahrradsicherheit agieren. Dazu gehört eine ausreichende stadtweite Versorgung mit Fahrradanlehnbügeln, von den en es aktuell 6.000 Stück im öffentlichen Raum gibt, Förderung von gesicherten Fahrradgaragen, effektivere u.v.a. schnellere Entfernung von Fahrrad“Leichen“, die Fahrradbügel blockieren, mehr Personalressourcen in diesem Bereich stecken – was auch für die Polizei gilt. Datenbanken, in denen sich die erfassten gestohlenen Räder finden lassen, sollten bundesweit zugänglich sein, damit z.B. auch die Fahrradhändler in diesen die ihnen zum Kauf angebotenen Fahrräder schnell prüfen können.

Hier finden sich nützliche Webadressen zum Thema Sicherung von Fahrrädern:
www.adfc-leipzig.de
www.netz-kleiner-werkstätten.de (Radcodierung)
https://www.polizei.sachsen.de/de/16266.htm (Fahrradregistrierung)
https://www.leipzig.de/wirtschaft-und-wissenschaft/arbeiten-in-leipzig/kommunaler-eigenbetrieb-leipzigengelsdorf/buergerdienst-le/fahrradregistrierung/ (Fahrradregistrierung)
http://www.werideleipzig.com/ (Fahrradcommunity-Prävention)
https://www.tex-lock.com/de/ (Fahrradschloss)
https://fahrradjaeger.de/ (digitale Präventionslösungen)


Nachricht vom 18.10.2017
Autor: Daniela Nuß