AKTUELLES
Amerikanerin mit Ost-Faible

- Fundbuero-Gründerin Monica Sheets - Foto: André Kempner
Amerikanerin mit Ost-Faible
Monica Sheets und der Fundbuero-Verein feiern am Wochenende einjähriges Bestehen
Mit „Pauken und Trompeten“ – so heißt es in einer Mitteilung – möchte der Verein Fundbuero am Sonnabend sein einjähriges Bestehen feiern. Ab 14 Uhr wird deshalb zu „einem ganz besonderen Programm“ in die Georg-Schwarz-Straße 14 eingeladen.
„Unseren ersten Geburtstag feiern wir unter dem Motto ,Tauschwirtschaften – damals und heute‘“, erzählt Initiatorin und Mitbegründerin Monica Sheets. Und ganz in diesem Sinne werde von 14 bis 16 Uhr ein Tauschbasar veranstaltet, bei dem Interessierte aufgefordert sind, „zu handeln, zu feilschen und zu tauschen“. Bei einem Glas Saft wolle man alle Fragen rund ums Projekt beantworten, ein Jahr Revue passieren lassen und mit „all unseren Freunden, Unterstützern, Nachbarn, Sponsoren, treuen Gästen und neuen Gesichtern einen feinen Nachmittag“ verbringen. Ab 17 Uhr geht es dann, nach praktischer Erprobung des Tauschens und ganz in Fundbuero-Tradition, mit einem Expertengespräch zum Thema Tauschwirtschaft weiter.
Dass sich das laufende Projekt auch heutzutage noch mit den Themen Wende, DDR, Geschichte und Identität auseinandersetzt,
ist schon ungewöhnlich genug. Viel skurriler mutet jedoch die Tatsache an, dass Vereinschefin Monica Sheets ein waschechte US-Amerikanerin ist. Wobei es nicht einfach ist, dies bis auf den ausgefallenen Namen auf Anhieb zu erkennen – so gut beherrscht sie die deutsche Sprache.
„Ich bin 2007 für ein Kunststudium in Weimar nach Deutschland gekommen“, erzählt die 38-Jährige. Zwar sehr interessiert am Thema DDR, habe sie aber vermutet, aktuell nur noch wenige Spuren zu finden. „Mir war dann sehr schnell klar, dass dies ein Thema ist, worüber die Leute reden möchten, aber nur gelegentlich die Möglichkeite dazu haben“, erläutert sie die Anfänge der Vereinsgründung. Ihr gehe es vor allem darum, einen Raum zu schaffen, wo Menschen ihre eigenen Erlebnisse aus dieser Zeit vorstellen können. „Ich möchte diese Geschichte von unten darstellen, nicht die aus Sicht der Hauptfiguren“, erklärt Sheets ihren Ansatz. Ihr und dem Verein gehe es ausschließlich um die DDR-Zeit und den Übergang zur heutigen Zeit.
Und deshalb ein neuer Verein? „Aus meiner Sicht gibt es keinen existierenden Verein, der bietet, was wir wollen“, sagt die Vereinschefin, die derzeit noch auf die letzte Bestätigung durch das Finanzamt wartet. Die Gründungsmitglieder hätten eher einen Kunsthintergrund, seien interessiert am Gesamtprojekt, ganz normalen Leuten eine Plattform zu geben, die zwei ganz verschiedene Systeme erlebt haben, die ganz verschiedene Erfahrungen mit sich brächten. So hätten bisherige Gesprächsabende
unter anderem den Alltag, Feminismus oder Homosexualität in der DDR zum Thema gehabt.
„Ich wollte und will dieses Projekt auch nicht in Berlin machen“, blickt Sheets auf die Anfänge zurück. Dort gebe es mittlerweile so viele Leute, die die DDR nicht richtig erlebt hätten. Auch weil die Bevölkerung in der Hauptstadt viel häufiger wechsele. Leipzig habe einfach „diese besondere Rolle während der Wende gehabt“. Hier sei dieser Teil der Geschichte noch viel mehr präsent.
„Wir haben die Hoffnung, dass wir mit der nun abgeschlossenen Vereinsgründung das Projekt weiterentwickeln und natürlich noch weitere Mitstreiter gewinnen können“, blickt die Amerikanerin mit Ost-Faible voraus. Ziel sei es, das Fundbuero noch besser zu etablieren. Die Schreibweise des Vereinsnamens habe man übrigens gewählt, um Verwechslungen mit dem Aufbewahrungsort real verlorener Dinge zu vermeiden. „Dies gelingt allerdings nicht immer“, muss Monica Sheets lachend zugeben.
Martin Pelzl
Das Fundbuero in der Georg-Schwarz-Straße 14 ist dienstags und mittwochs von 10 bis 17 Uhr sowie samstags von 10 bis 13 Uhr
geöffnet. Infos gibt es telefonisch unter der 0341 60425066 sowie im Internet unter http://www.dasfundbuero.org/. Die nächsten Termine sind – jeweils um 19 Uhr – am 5. Oktober („Vom Tagebau zum Erholungsgebiet“), am 9. November („Flucht und Ausreise“) und am 14. Dezember („Weihnachtsbastelabend“).
LVZ vom 5.9.2011
S. 24, Leipziger Vereinsleben
Nachrichtenübersicht
Nachricht vom 05.09.2011
Autor: Roman Grabolle
